Leichtathletik: Auf die Plätze, fertig ...

Dauernde Nachwuchsförderung - ein wichtiges Ziel des Leichtathletik-Bereichs des Deutschen Rollstuhlsport-Verbandes (DRS). Die Vielfalt und Abwechslung der verschiedenen Disziplinen sind die Stärke der Leichtathletik. Kraft und Kondition werden trainiert.

Oscar Pistorius bei den Paralympics (Foto: Elvar Pálsson / flickr.com)
Oscar Pistorius bei den Paralympics (Foto: Elvar Pálsson / flickr.com)

Die Leichtathletik im Behindertensport gehört – ähnlich wie im Nichtbehindertenbereich – zu den Kernsportarten der Individualsportler. Welche Disziplinen kann man nun aber als Rollstuhlfahrer in der Leichtathletik betreiben?

Zum einen ist es das Rennrollstuhlschnellfahren. Hier messen sich die Athleten auf fast allen nur denkbaren Strecken, angefangen beim 100m-Sprint auf der Bahn bis hin zum Städtemarathon. Aber auch ›Extremsportler‹ gibt es unter den Rollstuhlschnellfahrern die beispielsweise eine 100 Kilometer-Strecke in nur wenig mehr als vier Stunden. bewältigen. Mit den Rennrollstühlen erreichen die Athleten Geschwindigkeiten von mehr als 30 Stundenkilometer auf der Bahn, über 40 Stundenkilometer auf Asphalt und fast unglaubliche 80 Stundenkilometer, wenn es den Berg hinunter geht.

Die speziellen Rennrollstühle, mit denen diese Leistungen erst möglich sind und die auch die entsprechenden Belastungen aushalten, sind den Athletinnen und Athleten auf den ›Leib geschneidert‹, das heißt sie werden angepasst an die Körperproportion, individuelle Sitzposition und nicht zu letzt an das Körpergewicht. Die gestiegenen Anforderungen an einen solchen Rollstuhl haben bewirkt, dass diese heute dreirädrig sind, um sie leichter, aerodynamischer und besser lenkbar zu machen.

Technische Disziplinen

Der zweite große Bereich der Leichtathletik sind die technischen Disziplinen Kugelstoßen, Speerwerfen, Diskuswerfen und Mehrkampf. Auch wird der Sport nicht aus dem ›Alltagsstuhl‹ heraus betrieben, sondern aus speziellen ›Technikerstühlen‹, die meistens nur sehr kleine Räder haben, die lediglich den Transport erleichtern sollen. Diese Werferstühle sollen den Athletinnen und Athleten eine möglichst feste Basis schaffen, damit der Aktive seine Fähigkeiten und Möglichkeiten optimal auf sein Wettkampfgerät Diskus, Speer oder Kugel übertragen kann.

Hierzu wird der Technikerstuhl mit Spanngurten fest am Boden fixiert. Die Wettkampfstühle der Werfer sind ausnahmslos Einzelanfertigungen, individuell auf den Sportler abgestimmt und für die Wurfdisziplin entsprechend ausgestattet. So ist beispielsweise für den Speerwurf eine Haltestange sowie für Kugel und Diskus eine Armlehne angebracht, um die fehlende Rumpfmotorik auszugleichen.

Das Hauptziel des Fachbereichs ist die Nachwuchs- Jugendförderung durch ein spezielles Lehrgangsangebot und eine umfassende Betreuung. Erste Bewährungsproben für die jungen Athleten können die jährlich durchgeführten Jugendländer-Cups, die entsprechenden Landesmeisterschaften oder ein Einlagerennen bei Deutschen Meisterschaften sein. 

Weltweite Wettkämpfe

Aus den Reihen der Nachwuchssportler sind in den letzten Jahren schon viele Medaillengewinner bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie den Paralympics hervorgegangen. Aber auch jene Athleten, die keine Spitzenleistungen erreichen, bleiben fester Bestandteil der Sportlergemeinschaft, haben Spaß am Leben, ihrem Sport und betreuen in vielen Fällen nun ihrerseits Nachwuchssportler.

Text: Deutscher Rollstuhlsportverband e.V.
Fotos: Elvar Pálsson / flickr.com

Die Rolle der Leichtathletik in der Geschichte des Behindertensports

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Rehabilitation und Behandlung von Kriegsversehrten neu entwickelt und bewusst gepflegt wurde, entstanden die ersten Sportbewerbe für Menschen mit Behinderungen. In Stoke Mandeville (GB) wurden 1952 die ersten Rollstuhlrennen durchgeführt. Seit 1960 in Rom werden die Leichtathletikdisziplinen auch an den Paralympics durchgeführt. Eingeteilt in Klassen nach Behinderung treten die Sportler regelmäßig zu Landesmeisterschaften Europa- oder Weltmeisterschaften an. Die internationalen Wettkämpfe sind jeweils Höhepunkte der Saison.

Text: Dominik Feusi

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