Botschafter-Einsatz beim SMA-Symposium
- MyHandicap-Botschafter Justin Black im Einsatz (Foto: BLACKFORCE.tv)
Alle zwei Jahre kommen in Künzell Betroffene mit Spinaler Muskelatrophie (kurz: SMA) zusammen. Zum Großteil handelt es sich dabei um Familien mit Kindern. Denn die Muskelschwäche tritt häufig bereits im frühsten Kindesalter auf. Auch MyHandicap-Botschafter Justin Black lebt mit der Erbkrankheit, die alle Muskeln im Körper schwächt. Er war ebenfalls in Künzell mit dabei und berichtet von seinem Botschafter-Einsatz.
Bereits beim letzten SMA-Symposium, 2008, hatte ich die Stiftung MyHandicap als Botschafter repräsentiert. Wobei ich gestehen muss, dass die eigentlich übliche Tätigkeit eines Botschafters seinerzeit etwas zu kurz kam. Denn statt Gespräche zu führen, habe ich mit Kindern und Jugendlichen einen Film gedreht. Zwei Tage lang. Liegt ja irgendwie auch nahe, bei einem Filmemacher, der dieselbe Erbkrankheit hat wie die Teilnehmer des SMA-Symposiums.
Die beste „Botschaft“ überhaupt
Doch gerade das aktive Vorleben der Tatsache, dass man trotz der Muskelschwäche viele interessante Dinge machen kann, war wahrscheinlich die beste „Botschaft“ überhaupt.
So hatte mich der Veranstalter auch in diesem Jahr wieder gebeten, beim SMA-Symposium ein Filmprojekt durchzuführen. Das freute mich sehr. Darüber hinaus, nahm ich mir fest vor, bei diesem Botschafter-Einsatz nicht nur Vorbild, sondern auch Gesprächspartner zu sein.
Mit zwei Assistenten
Wie alle anderen Familien, reiste auch ich mit meinen zwei Assistenten bereits am Donnerstagnachmittag an. Wie immer fand das SMA-Symposium im Bäder-Park-Hotel in Künzell statt. Das Team dort stellt sich immer sehr gut auf die Bedürfnisse der Teilnehmer im Rollstuhl ein. Es werden beispielsweise extra Rampen installiert und auch das Personal geht wunderbar mit den vielen Kindern im Rollstuhl um. Bereits beim letzten SMA-Symposium war ich begeistert.
- Filmworkshop beim SMA-Symposium in Künzell (Foto: BLACKFORCE.tv)
Zweithäufigste Erbkrankheit
Obwohl SMA die zweithäufigste, rezessive Erbkrankheit in Deutschland ist und jeder 35. Deutsche diesen Gendefekt in sich trägt, zählt diese Form der Muskelschwäche zu den seltenen Erkrankungen. Denn auch wenn beide Eltern Träger des Gendefektes sind, ist die Wahrscheinlichkeit „nur“ 25 Prozent, dass die Spinale Muskelatropie wirklich eintritt. Aus diesem Grund gibt es bundesweit nur wenige Spezialisten für SMA.
Das Symposium ist vor allem ein Ort des Austauschs von Tipps und Tricks der betroffenen Familien untereinander. Darüber hinaus holen die Veranstalter jedes Mal kompetente Experten nach Künzell. Diese halten jeweils Freitag und Samstag Vorträge und Workshops.
Umfangreiches Kinderprogramm
Da diese vornehmlich die Eltern und die jungen Erwachsenen, die selbst von SMA betroffen sind, interessieren, stellt man bei jedem SMA-Symposium auch ein umfangreiches Kinderprogramm auf die Beine. So sind die Kleinen nicht nur altersgerecht beschäftigt, sondern können auch mit anderen Kindern, die in derselben Situation sind wie sie, Spaß haben. Sie merken so, dass sie nicht alleine sind. Bei dem SMA-Symposium in Künzell ist schon so manche Freundschaft entstanden.
Mein Filmworkshop
Auch wenn die zwei Jungen und elf Mädchen in meinem Filmworkshop alle zwischen elf und 18 Jahre alt waren, zählte er mit zum „Kinderprogramm“. Die Story für unseren Film, die wir uns zusammen ausdachten, war jedoch alles andere als kindlich: Es sollte um Eifersucht, Diebstahl und Mord gehen.
Nachdem die Handlung stand, wurde jede Szene mehr oder weniger improvisiert. So konnte sich weiterhin jeder einbringen und alle hatten viel Spaß. Sowohl vor als auch hinter der Kamera. Denn das Filmen übernahmen ebenfalls zwei der Mädchen. Den Schnitt des Films vom diesjährigen SMA-Symposium werde ich wieder alleine übernehmen. Denn wir waren beide Tage mit Dreharbeiten beschäftigt.
- Der MyHandicap-Botschafter im Gespräch (Foto: BLACKFORCE.tv)
Erfahrungen
Aufgrund der Erfahrungen vom letzten Mal konnte ich mir dieses Mal die Zeit jedoch insgesamt besser einteilen. So gab es in diesem Jahr auch zahlreiche Gelegenheiten für Gespräche. Ich konnte meine Erfahrungen zu Persönlichem Budget, Physiotherapie, Assistenz, Alltag und Arbeit mit SMA weitergeben. Ich unterhielt mich gleichermaßen mit Eltern und Kindern. Besonders für letztere war es wichtig, diese Erfahrungen einmal von einem (fast) gleichaltrigen vermittelt zu bekommen.
Auch ein Mitarbeiter des Hotels kam am letzten Abend auf mich zu, um sich zu erkundigen, was das denn nun eigentlich genau für eine Krankheit sei und wie sie sich auswirkt. Ich empfand dieses Interesse und die Möglichkeit, ihm seine Frage beantworten zu können als sehr positiv. War es doch ein gutes Beispiel für ein Interesse an einem gesellschaftlichen Miteinander.
Die Zeit verging viel zu schnell
Wie immer bei solchen besonderen Ereignissen verging die Zeit viel zu schnell. Am Samstagabend, noch vor dem eigentlichen Ende des Symposiums, machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause.
Es freut mich sehr, dass ich mit meiner Tätigkeit als MyHandicap-Botschafter einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, das diesjährige SMA-Symposium zu einem Erlebnis für alle zu machen.
Wann darf ein MyHandicap-Botschafter Sie oder Ihre Veranstaltung unterstützen? Sprechen Sie uns an! Meine Kollegen und ich freuen uns auf Ihre Anfrage.
Text: Justin Black - 05/2010
Fotos: BLACKFORCE.tv
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Hallo Lyn,
leider kann ich erst heute antworten, da meine Arbeitszeit für MyHandicap begrenzt ist.
Das Thema des Films bzw. die Handlung haben sich die Kids ausgedacht. Ich habe es nur ein klein wenig "gesteuert", indem ich darauf geachtet habe, dass am Ende nichts dabei raus kommt, was sich nicht umsetzen ließe. Wie bspw. eine Explosion im Hotel oder so ;o)
Hallo Justin,
warum dieses Thema zum Filmworkshop - Es sollte um Eifersucht, Diebstahl und Mord gehen - ? Ich habe den Beitrag mehrmals gelesen, doch ich bin nur sehr verunsichert. Eifersucht könnte ich noch verstehen, nur Diebstahl, Mord hier wieder strebt es mich bereits die Wörter zu schreiben. Oder sollte ich das Treffen und den Filmworkshop trennen ?
Was war der Grundgedanke in und zu dieser Thematik ?
Dein Beitrag ist wie immer sehr ausführlich und gut geschrieben. Und vermitteln so dem Nicht-betroffenen einen ganz kleinen, wenn auch scheuen Einblick in das Leben mit dieser Behinderung. Es zeigt mir jedoch auch auf, egal welche Art, Form oder Größenordnung eine Behinderung hat, das Leben ist und bleibt sehr Lebenswert, egal in was für einer Situation wir uns befinden.
In diesem Sinne, ist es Dir sehr gelungen,- Deine Botschaft zu vermitteln, ein Stück von Dir selbst in diese Welt zu tragen. Danke Dir, Mfg Lyn