Schwerbehinderung

Schwerbehindertenausweis (Vorderseite) (Quelle: BMAS)
Menschen mit Schwerbehinderung können den Schwerbehindertenausweis beantragen. (Quelle: BMAS)

Begriffsbestimmung: Schwerbehinderung wird nach Dauer und Umfang der Einschränkung bestimmt

Ob man einen Schwerbehindertenausweis beantragen kann oder gar in den Genuss der Schwerbehinderten Rente kommt, hängt davon ab, ob eine Schwerbehinderung vorliegt. Wann eine Einstufung zur Schwerbehinderung nun aber tatsächlich vorliegt, ist im Sozialgesetzbuch neun (SGB IX) ganz klar geregelt. In Paragraph 2 SGB IX heißt es:

(1) Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

(2) Menschen sind im Sinne des Teils 2 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 73 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.

Aus diesen gesetzlichen Bestimmungen ergibt sich, dass eine Schwerbehinderung nicht nur körperliche Beeinträchtigungen umfasst, sondern auch durch geistige oder psychische Erkrankungen bedingt sein kann. Eine Schwerbehinderung muss folglich nicht sichtbar sein. Querschnittgelähmte Menschen gelten ebenso als schwerbehindert, wie Betroffene mit einer Prothese, Patienten mit einer ausgeprägten Zuckerkrankheit ebenso wie solche mit anhaltenden Depressionen.

Entscheidend ist nicht in erster Linie die Art der Erkrankung, sondern die Dauer der Beeinträchtigung. Wer für einen kurzen Zeitraum erkrankt, gilt demnach nicht als schwerbehindert, auch wenn die Beeinträchtigung unter umständen - kurzfristig - erheblich ist. Erst wenn der Betroffene dauerhaft eingeschränkt ist, sind die Voraussetzungen für eine Schwerbehinderung erfüllt.

Neben der Dauer der Einschränkung ist auch die Schwere der Beeinträchtigung maßgeblich. Die Grenze liegt bei einem Grad der Behinderung von 50. Ob eine Schwerbehinderung vorliegt, stellt die zuständige Behörde am Wohnort - in aller Regel das Versorgungsamt - fest. In Deutschland leben rund 7,1 Millionen schwerbehinderte Menschen.

Ursache: Eine Schwebehinderung kann viele Gründe haben

Da für eine Schwerbehinderung die Dauer und das Ausmaß der Einschränkung maßgeblich sind und weniger der Grund, kann man nicht von "der Ursache" sprechen. Vielmehr kann eine Schwerbehinderung aus vielen Gründen auftreten und der Grad der Schwerbehinderung kann sich im Laufe des Lebens auch verändern.

Wenn man die Schwerbehinderung amtlich feststellen lassen und einen Schwerbehindertenausweis erhalten möchte, muss man ärztliche Gutachten einreichen, aus denen die Erkrankungen, deren Schwere und Verlauf hervorgehen. Diese Unterlagen sind eine wesentliche Entscheidungsgrundlage. In Zweifelsfällen kann es auch nötig sein, sich von einem Amtsarzt untersuchen zu lassen.

Da der Schwerbehindertenausweis anfangs nur befristet ausgestellt wird (meist auf 5 Jahre), findet eine regelmäßige Überprüfung statt, ob der Status als Schwerbehinderter noch vorliegt. Ist erkennbar, dass sich an der gesundheitlichen Situation keine deutlichen Veränderungen ergeben - etwa weil man aufgrund einer Querschnittlähmung dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen ist - kann der Schwerbehindertenausweis auch unbefristet erteilt werden. Eine erneute ärztliche Untersuchung ist hierfür nicht erforderlich. Sollte sich eine Krankheit verschlechtern oder wenn weitere Erkrankungen hinzukommen, kann der Grad der Behinderung auch angepasst werden.

Folgen der Schwerbehinderung: Nachteilsausgleich und Integration

Auf den ersten Blick klingt "schwerbehindert" für viele erschreckend. Gerade, wenn man die Krankheit nicht sieht und sich der  Betroffen nicht behindert fühlt. Das ändert jedoch nichts daran, dass Menschen mit einer Schwerbehinderung im Alltag maßgeblich eingeschränkt sind. Deshalb erhalten sie eine Reihe von Nachteilsausgleichen. Hierzu gehören Steuererleichterungen (Freibetrag aufgrund Behinderung), ein besonderer Kündigungsschutz und Rabatte, beispielsweise beim Autokauf. Zudem können schwerbehinderte Menschen unter bestimmten Umständen früher in den Ruhestand gehen. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene offen mit ihrer Schwerbehinderung umgehen und die ihnen zustehenden Nachteilsausgleiche annehmen.

Wer keinen Grad der Behinderung von 50 hat, aber dennoch mit einer erheblichen Einschränkung leben muss, für den kann eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen infrage kommen. Diese ist ebenfalls im Sozialgesetzbuch neun geregelt. Hierzu heißt es in § 2 Abs. 3:

Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).

Mit dieser Regelung soll die Arbeitsintegration von Menschen mit Behinderung verbessert werden.

Behandlung und Therapie: Möglichkeiten mit dem Arzt besprechen

Da die Ursachen für eine Schwerbehinderung sehr unterschiedlich sind, unterscheiden sich auch die Behandlungsmöglichkeiten erheblich. Generell gilt jedoch, dass ein mit dem Arzt abgestimmtes Training oder eine Therapie stets sinnvoll ist, um die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und eine bestmögliche Verbesserung zu erzielen.

 

Text: Philipp Jauch - 08/2012

Foto: BMAS