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für Menschen mit Behinderung

Die Schatzkiste: Die Liebe des Lebens finden

Zemella und Gabi sitzen am PC zu deren Aufnahme
Partnersuchende müssen persönlich vorbeikommen, um in die Schatzkiste-Kartei aufgenommen zu werden (Foto: Schatzkiste Hamburg)

Eine kostenlose und seriöse Partnervermittlung für Menschen mit Behinderung? Gibt's nicht. Doch, wissen Gabi und Thorsten. Sie haben sich durch die Schatzkiste zusammengefunden.

Thorsten, 44, hat eine Sprachbehinderung und arbeitet in einer Gärtnerei. Für längere Zeit wünschte er sich eine Partnerin, und seitdem er alleine wohnt, hat sich sein Wunsch verstärkt. Bisherige Versuche, eine Frau für das Leben zu finden, erwiesen sich jedoch früher oder später als fruchtlos.

Deshalb kam Thorsten vor rund zwei Jahren in die Elisabeth-Flügge-Straße in Hamburg. Dort ging er ins Büro der Schatzkiste Hamburg und ließ sich in deren Kartei aufnehmen. Die Schatzkiste vermittelt seit 1998 behinderte Menschen, die einen Partner fürs Leben suchen. Sie war die erste und für lange Zeit die einzige Partnervermittlung für Menschen mit Handicap.

Nicht nur Menschen mit Lernbehinderungen

Die Schatzkiste sollte endlich das finden, was Thorsten lange suchte – auf ihr ruhten seine Hoffnungen. Bernd Zemella, Leiter der Schatzkiste Hamburg, bemüht sich aber bei jeder Neuanmeldung um realistischere Erwartungen: „Nur ein Drittel der hier registrierten Partnersuchenden ist weiblich. Die Schatzkiste kann nicht immer helfen – aber immer öfter!“

Zemella ist Diplom-Psychologe und seit 2010 im vorzeitigen Ruhestand. Vorher arbeitete er in der Beratungsstelle Alsterdorf mit dem Schwerpunkt Sexualberatung und betreibt die Schatzkiste ehrenamtlich – bis heute. "Der größte Anteil der Partnersuchenden dürften Menschen mit Lernschwierigkeiten sein, wir vermitteln aber auch Menschen mit körperlichen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen", erklärt Zemella.

Persönliche Anmeldung in die Schatzkiste

Als Thorsten vor zwei Jahren zur Anmeldung kam, saß er zusammen mit Zemella vor dem Computer und ließ sich in die Datenbank aufnehmen. „Jeder muss für die rund halbstündige Aufnahme persönlich vorbeikommen“, sagt Zemella. Selbstverständlich kann dabei auch ein Angehöriger oder ein Betreuer mitkommen.

Die Aufnahme in die Schatzkiste ist grundsätzlich kostenlos, für die Vermittlung werden auch keine Gebühren erhoben. Menschen ohne Behinderung werden nicht aufgenommen - "um Frauen vor möglichen Missbrauch weitgehend zu schützen", wie es auf der Webseite heißt.

Nach der Aufnahme in die Kartei sucht Zemella in der Online-Datenbank nach Partnervorschlägen. „Dabei spielt die Ähnlichkeit der Profile – zum Beispiel bei Alter, Wohnort, Hobbies und Behinderungsart – eine Rolle für den Vermittler. Alle diese Gesichtspunkte werden berücksichtigt“, erklärt Zemella sein Matching-Vorgehen.

Thorsten und Gabi an einem Tisch, Zemella gießt Kaffee ein
Sind zwei Partnersuchende mit dem Vorschlag einverstanden, kommt es zu einem Kennenlerntreffen (Foto: Schatzkiste Hamburg)

Partnervorschläge per Post

Wenn sich für den Vermittler eine denkbare Kombination ergeben hat, schickt Zemella den beiden Partnersuchenden per Post ein Foto der jeweiligen anderen Person zu. Bei Thorsten hatte Zemella die Gabi vorgeschlagen. Gabi ist 51 und hat eine Lernschwäche - genau wie Thorsten. Vor ihrer Frühberentung arbeitete sie in einer Werkstatt für behinderte Menschen und ist seit etwa fünf Jahren in der Schatzkiste registriert.

Signalisieren beide Interesse, lädt Zemella sie zu einem ersten Kennenlerntreffen im Büro der Schatzkiste. Bei Gabi und Thorsten hat es jedenfalls gefunkt, sie sind mittlerweile ein Paar. Aber auch bei Menschen mit Handicap braucht es mehrere Anläufe, bis sie die richtigen Partner finden.

Bevor Gabi und Thorsten sich kennenlernten, hatten sie beide mehrere Vorschläge bekommen - und auch einen anderen Partner, ebenfalls von Zemella vermittelt. "Aber der hat Schluss gemacht mit mir", erzählt Gabi, "und nun habe ich jetzt den Thorsten." Bei Thorsten war es andersrum: "Die letzte, jetzt hab ich ihren Namen auch schon wieder vergessen, die war mir zu nervig. Die hat immer wieder das Gleiche gesagt!" sagt er und lacht.

Künftig mehr eigenständige Suche

Partnervorschläge werden nur vom Schatzkiste-Vermittler selbst gemacht, da nur er auf die Online-Datenbank zugreifen kann. "Aber in der Schatzkiste Hamburg beginnen wir damit, dass auch Partnersuchende selbst in der Kartei suchen können, allerdings immer nur zusammen mit dem Vermittler", erklärt Zemella.

Mittlerweile haben sich über 670 Partnersuchende mit Handicap allein in der Schatzkiste Hamburg registriert, woraus Zemella "mehrere Hundert Vermittlungsvorschläge gemacht hat, von denen viele zu Vermittlungserfolgen führten". Zur Zeit sind in der Hamburger Kartei etwa 60 Karteikarten als 'erfolgreich abgelegt' rubrifiziert.

Über 50 Schatzkisten heute

Durch diesen Erfolg hat sich die Idee der Schatzkiste mittlerweile verbreitet. "Inzwischen gibt es davon an die 50 in ganz Deutschland - jede Schatzkiste wird von einem oder mehreren Vermittlern geleitet", sagt Zemella. Auch im Ausland gibt es nun zwei Schatzkisten: im österreichischen Götzis am Bodensee sowie im italienischen Bozen. Die Zahl der Partnersuchenden aller Schatzkisten zusammen beläuft sich auf über 3.500.

Thorsten und Gabi an einem Tisch, Zemella gießt Kaffee ein
Sind zwei Partnersuchende mit dem Vorschlag einverstanden, kommt es zu einem Kennenlerntreffen (Foto: Schatzkiste Hamburg)

Ob da auch Partnervorschläge außerhalb der jeweiligen Regionen gemacht werden? "Erfahrungen über regionsübergreifende Vermittlungen liegen bislang nur punktuell vor. Die Schatzkiste-Hamburg hat aber interessanterweise die Erfahrung gemacht, dass mobile Partnersuchende auch über größere Entfernungen erfolgreich vermittelbar sind!", so Zemella.

In Kürze wird die überregionale Suche noch einfacher gestaltet, da die jeweiligen Vermittler mit entsprechenden Lese- und Schreibrechten für andere Schatzkisten ausgestattet werden sollen.

Wie gründe ich eine Schatzkiste?

Die meisten Schatzkiste-Vermittler arbeiten ehrenamtlich, jedoch gibt es auch welche, die von einem Träger - wie zum Beispiel die Diakonie oder ein Behindertenverband - entlohnt werden. Dieser Träger muss Mitglied in dem Verein Schatzkiste e.V. werden, damit der Vermittler Partnervermittlungen unter demselben Namen betreiben darf.

Eine systematische Schulung der neuen Vermittler gibt es nicht. "Noch nicht", betont Zemella. "Aber einen regen Erfahrungsaustausch gibt es schon".

Sie sind interessiert daran, eine Schatzkiste in Ihrer Stadt zu gründen? Mehr Informationen finden Sie hier.

Schwatzkiste: Aktiv auf der Partnersuche

Man kann sich aber auch selbst auf die Suche begeben. "Neben der Schatzkiste bieten wir auch die Schwatzkiste an.", erzählt Zemella. "Das soll den Umstand, dass Menschen mit geistiger Behinderung in der Regel nicht über viel Erfahrung in der Partnersuche verfügen, zumindest teilweise ausgleichen".

"Die Schwatzkiste", so Zemella weiter, "ist ein offenes Angebot für jedermann. Neben Stammgästen kommen auch immer wieder neue Besucher, die mal reinschnuppern wollen. Bemerkenswert sind da unsere Namensschilder, auf die die Besucher inzwischen großen Wert legen. Neben dem Vornamen kann optional ein farbiger Punkt aufgeklebt werden. Rot heißt: schon vergeben! und blau: ehrenamtlicher Helfer."

Für die Schwatzkiste-Stammgäste Gabi und Thorsten hat sich die Anmeldung in der Schatzkiste auf jeden Fall gelohnt. Sie haben die Partnerbörse für Menschen mit Behinderung längst weiterempfohlen. Und wenn sie beide soweit sind, möchten sie in eine gemeinsame Wohnung ziehen. "Später mal ja, bestimmt!", sagt Gabi und lächelt Thorsten an.

 

Text: Thomas Mitterhuber - 03/2011

Fotos: Schatzkiste e.V.

 

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