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Paralympics 2010: Ein deutsches Wintermärchen

21. März 2010 gingen die X. Paralympics im kanadischen Vancouver zu Ende.
Das BC Place, in dem die Eröffnungs- wie die Abschlussfeier stattfand (Foto: VANOC)

Wieder einmal sind die paralympischen Spiele zu Ende gegangen. Auf dem Medal Plaza in Vancouver wurde die Abschlussfeier unter 505 Sportlern aus 44 Nationen zelebriert. Ein Rückblick auf die Winter-Paralympics.

"Perfekte Organisation und freundliche Gastgeber", bestätigte die ehemalige erfolgreiche Paralympionikin Margit Quell in ihrem Paralympics-Blog auf MyHandicap. Auch sportlich waren die Winter-Paralympics aus Sicht der Deutschen ein Erfolg. Karl Quade, Chef de Mission des DBS kann zufrieden sein.

Die blinde Biathletin und Langläuferin Verena Bentele hatte die hohen Erwartungen übertroffen. In insgesamt fünf Disziplinen startete sie mit ihrem Begleitläufer Thomas Friedrich. Sie deklassierte ihre Gegner reihenweise und fuhr fünf mal zu Gold. Damit avancierte sie sich zur besten Leistungsträgerin des deutschen Teams.

Bentele: "Es kribbelt immer noch in meinem Bauch"

Ihr Biathlon-Kollege Willi Brem gewann nach zwei Rennen mit den undankbaren vierten Plätzen die Goldmedaille über 12,5 km. Sein Kollege Frank Höfle, laut Quell "die bisher einzigartigste Sportkarriere eines sehbehinderten Langläufers" verpasste am Ende seiner Karriere nur knapp paralympisches Edelmetall.

Für eine kleine Überraschung sorgte die querschnittgelähmte Andrea Eskau, Goldmedaillengewinnerin im Handbiken bei den letzten sommerlichen Paralympics: Im Langlauf und im Biathlon in der Klassifizierung „sitzend“ gewann sie Silber bzw. Bronze – sie begann nur wenige Monate zuvor mit dem Training.

Skialpinisten ebenfalls vorne dabei

Auch die deutschen Skialpinisten können einiges vorweisen: Die Routinier Gerd Schönfelder (stehend, 4x Gold und 1x Silber) und Martin Braxenthaler (sitzend, 3x Gold und 1x Silber) konnten ihre Klasse erneut unter Beweis stellen.

Bei den Damen empfahl sich die 20jährige Andrea Rothfuß mit jeweils zweimal Silber und Bronze für die nächsten Winterspiele. Ihre vier Jahre jüngere Kollegin Anna Schaffelhuber schloss ihr paralympisches Debüt mit einer Bronzemedaille ab.

Bentele gewann fünf Goldmedaillen in fünf Disziplinen.
Die äußerst erfolgreiche Verena Bentele wird von ihrem Begleitläufer Thomas Friedrich getragen (Foto: Margit Quell)

Nicht mal Halbfinale für die Curler

Das deutsche Rollstuhl-Curlingteam allerdings enttäuschte etwas – seiner Rolle als Geheimfavorit wurde es nicht gerecht. Die junge Mannschaft um Teamkapitän Marcus Sieger holte nämlich bei den letzten Weltmeisterschaften die Bronzemedaille.

Allerdings hatten sie in der Gruppe A mit Kanada, Schweden und die Schweiz starke Gegner. So reichte es am Ende nicht mal für das Halbfinale. Gold ging an die kanadischen Gastgeber.

Im Sledge-Eishockey, der einzigen der fünf Disziplinen, wo die Deutschen nicht starteten, waren wieder mal die üblichen Verdächtigten vorne dabei. Außer Gastgeber Kanada, der überraschend keinen Medaillenplatz errang. Gold erlangte das US-amerikanische Team.

Eine gute deutsche Bilanz

Obwohl die deutschen Sportler die meisten Goldmedaillen (13x) verbuchten, stehen sie wie 2006 in Turin an Platz 2 des Medaillenspiegels, wieder hinter Russland. Für die Anordnung im Spiegels ist neuerdings die Gesamtzahl der Medaillen entscheidend - Russland (12x Gold) hatte hier einen deutlichen Vorsprung von 38 zu 24 Medaillen.

Bei den nächsten Winter-Paralympics 2014 in Sochi (Russland) wird es für Deutschland allerdings schwierig sein, die Top-Platzierung im Medaillenspiegel zu halten, auch wenn in Vancouver talentierte Nachwuchssportler aus den deutschen Reihen zu sichten waren.

Braxenthaler bei einem Interview nach einem seiner Siege.
Martin Braxenthaler wurde seinen Erwartungen gerecht und gewann vier Mal Gold (Foto: Margit Quell)

Viele aus dem deutschen Kader wollen aufhören

Denn mit Verena Bentele, Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler (insgesamt 12 Gold in Vancouver) denken gleich drei Goldgaranten ans Karriereende. "So kann man aufhören, das ist ja nicht mehr zu toppen", meinte Schönfelder. Er wurde während der Spiele zweifacher Vater.

"Goodbye Vancouver - Hello Sotchi!" Jetzt heißt es für die behinderten Sportler, die Wartezeit bis zu den nächsten Winterspielen mit Weltcups, anderen Turnieren und viel Training zu überbrücken. Für die Fans gibt es jedoch dazwischen die Sommerspiele, die 2012 in London stattfinden werden. Vielleicht nehmen doch auch ein paar Gesichter vom Winterkader daran teil – wie Andrea Eskau.

Lesen Sie auch die Berichte von Margit Quell. Sie war in Vancouver dabei und schrieb für MyHandicap über ihre Eindrücke.

Text: TMI

Fotos: VANOC, Margit Quell

 

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