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Multiple Sklerose

MRT-Aufnahme eines Gehirns.
Multiple Sklerose führt zu Schädigungen im Gehirn und im Rückenmark. (Monika Torloxten/pixelio.de)

Begriffsbestimmung: Multiple Sklerose - die häufigste Nervenerkrankung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Die Krankheit - auch Enzephalomyelitis disseminata genannt -  führt zu Schädigungen (Läsionen) und Narben (Sklerosen) in Gehirn und Rückenmark. Durch Entzündungsreaktionen kommt es zum Zerfall der die Nerven isolierenden Hüllschicht (Myelin), wodurch diese Nervenfasern keine Impulse mehr weiterleiten können.

Bei den meisten MS-Betroffenen verläuft die Erkrankung in Schüben. Die Dauer eines Schubes beträgt meist einige Tage bis wenige Wochen. Je nachdem, ob sich die aufgetretenen Symptome vollständig oder nur unvollständig zurückbilden, spricht man von einer kompletten oder inkompletten Remission.

Doppelt so viele Frauen von Multiple Sklerose betroffen wie Männer

Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an Multiple Sklerose erkrankt. In Deutschland leben derzeit rund 130.000 Menschen mit MS, in der Schweiz geht man von zirka 10.000 Betroffenen aus. Bei mehr als zwei Drittel der Erkrankten zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Krankheit kann sich auch im Kindesalter entwickeln, selten dagegen im höheren Erwachsenenalter. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Verschiedene ethnische Gruppen sind unterschiedlich anfällig für MS.

Die häufigsten Symptome von Multiple Sklerose sind Erschöpfung (Fatigue), Koordinationsprobleme, Spastizität, Sehstörungen, Empfindungsstörungen, Sprachstörungen, kognitive Störungen, Depressionen, Blasen- und Mastdarmstörungen oder Schmerzen. Die Ausprägung ist sehr verschieden, nicht umsonst wird MS auch die "Krankheit der 1000 Gesichter" genannt. Die Störungen können gering sein, sodass die Betroffenen relativ lange ein fast normales Leben führen können. Es kann aber auch schon früh zu bleibenden Schäden und einer Behinderung kommen. Die weit verbreitete Meinung, Multiple Sklerose führe zwangsläufig zu schweren Beeinträchtigungen, ist jedoch falsch. In weniger als fünf Prozent der Fälle führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu schwerer Behinderung.

Ein Mann in einem Rollstuhl.
Die weit verbreitete Meinung, Multiple Sklerose führe zwangsläufig zu schweren Behinderungen und einem Leben im Rollstuhl, ist falsch. (Albrecht E. Arnold/pixelio.de)

Ursachen: Multiple Sklerose - wenn das Abwehrsystem gegen sich selbst agiert

Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen, die genaue Ursache von MS zu bestimmen. Allgemein geht man davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der das körpereigene Abwehrsystem gegen sich selbst agiert und dabei Nervenzellen zerstört. Weitere Ansätze sind ab dem Kindesalter sehr langsam fortschreitende Virusinfektionen, genetische Faktoren oder Fehler im Umbau der Nervenzellenhüllen. Auch der Einfluss von Umweltfaktoren wird intensiv erforscht.

Behandlung und Therapie: Multiple Sklerose möglichst früh erkennen

Die MS-Diagnose erfolgt meist anhand der oben genannten Symptome und durch laborchemische sowie bildgebende Untersuchungen. Multiple Sklerose ist bis heute nicht heilbar. Allerdings lässt sich der Verlauf verlangsamen, wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird. Die Behandlung erfolgt meist dreigleisig und immer individuell auf den Patienten zugeschnitten:

  • Therapie des akuten Schubs (in der Regel mit Kortison)
  • langfristige Therapie (mit Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen und dadurch den Krankheitsverlauf mildern. Hierzu zählen beispielsweise Beta-Interferonen, Glatirameracetat, intravenöse Immunglobuline, Natalizumab und Fingolimod)
  • Therapie der Symptome, ergänzt um Rehabilitationsverfahren (je nach vorliegenden Symptomen)

Vielfach werden diese MS-Therapien durch den Einsatz der Komplementärmedizin unterstützt.

Schwerbehinderung: Verschiedene Störungen beeinträchtigen das Leben der Betroffenen

Trotz verschiedener Therapien bleibt Multiple Sklerose für viele Betroffene folgenreich. Betrachtet man den gesamten Krankheitsverlauf, sind es die Fatigue, Störungen der Blasenfunktion sowie Störungen des motorischen Systems wie Lähmungen und spastische Tonuserhöhungen, die das Leben der Betroffenen häufig am meisten beeinträchtigen. Je nach Verlaufsform der Krankheit kann es von einer minimalen bis hin zu einer starken Behinderung im privaten wie auch im beruflichen Alltag kommen. In Deutschland stellt das Versorgungsamt den Grad der Behinderung fest. Mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 haben die Betroffenen Anrecht auf den Schwerbehindertenausweis.

Text: Patrick Gunti - 07/2012
Fotos: pixelio.de
 

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