Einsteigen bitte! Hilfen für Rollstuhlfahrer

Ein nach außen ausgefahrener Schwenksitz am Beifahrersitz eines PKW. Auf ihr sitzt eine ältere Dame, daneben steht ihr Ehemann (Foto: KADOMO)
Einstiegshilfen sind nicht nur für Menschen mit Behinderung hilfreich - auch bei Senioren haben sie ihren Nutzen (Foto: KADOMO)

PKWs sind für mobilitätseingeschränkte Menschen wichtig. Aber weil bereits der Einstieg eine Herausforderung sein kann, stellen wir Ihnen verschiedene Hilfen vor.

Nicht wenige Rollstuhlfahrer sind, wenn sie mobil sein möchten, auf den Transport durch einen PKW angewiesen. Aber schon der Ein- und Ausstieg in einen solchen kann eine Hürde bilden – unabhängig davon, ob man das Fahrzeug selbst fährt oder nicht.

Während ein Teil der körperlich eingeschränkten Auto- beziehungsweise Beifahrer problemlos sich selbst auf den PKW-Sitz (um)setzen kann, benötigen andere so genannte Ein- / Ausstiegshilfen. Und derer gibt es mehrere Alternativen, die wir hier vorstellen möchten.

Für Selbstfahrer, also Betroffene, die ihr Fahrzeug noch selbst führen dürfen, eignen sich in der Regel kleinere Hilfen wie zum Beispiel eine Umsetz- oder eine Aufrichthilfe. Dafür hat MyHandicap mit Udo Späker, Fachexperte für Mobilität, gesprochen. Späker sitzt selbst im Rollstuhl und arbeitet bei der Mobilitätsmanufaktur KADOMO im Marketing und Vertrieb.

Ein Brett als Brücke zum Rollstuhl

Die Umsetzhilfe ist ein kleines, gepolstertes und aufklappbares Brett, das neben dem Autositz montiert wird. Möchte man aussteigen, wird die Autotüre geöffnet und die Umsetzhilfe heruntergeklappt. So wird die Lücke zwischen Autositz und Rollstuhl – der dann zum Beispiel mittels einer Verladehilfe vom Kofferraum oder von der Hinterbank herbeigetragen wird – überbrückt. „So kann die Person auf das Brett rutschen und leichter in den Rollstuhl gelangen“, erklärt Späker.

Die Aufrichthilfe ist im Prinzip eine Umsetzhilfe, lediglich erweitert mit der Funktion, das Brett elektronisch in eine bestimmte Höhe heben lassen zu können. So wird der Umstieg auf einen höheren (beispielsweise elektrischen) Rollstuhl oder der Übergang in eine Stehposition bei gehbehinderten Menschen erleichtert.

Eine heruntergeklappte Umsetzhilfe an der Türschwelle eines PKWs (Foto: KADOMO)
Die Umsetzhilfe bildet eine Art Brücke zwischen dem Fahrersitz und dem Rollstuhl (Foto: KADOMO)

Verbreitet: Der Schwenksitz

Eine beliebte Einstiegshilfe ist der Dreh- oder Schwenksitz. „Bei rund der Hälfte der von uns verkauften Einstiegshilfen handelt es sich um den normalen Schwenksitz“, erzählt Späker. Dieser lässt sich manuell um 90 Grad Richtung Autotür schwenken, so dass der Ein- oder Ausstieg wie bei einem gewöhnlichen Stuhl wird. Vom Schwenksitz gibt es auch Versionen, die sich dann per Knopfdruck elektrisch drehen und wie bei der Aufrichthilfe absenken lassen.

„Am Fahrersitz eignet sich diese Lösung allerdings nur bedingt, weil das Lenkrad die Rückenlehne des Schwenksitzes blockieren und der Sitz nicht vollständig gedreht werden kann. Deshalb wird der Schwenksitz meist für Beifahrer eingesetzt“, erklärt der Gründer von KADOMO.

Nicht nur bei körperbehinderten Menschen findet der Schwenksitz Verwendung. „Ein gutes Beispiel sind Menschen mit einer Demenzerkrankung. Sie haben häufig das Problem, dass sie nicht in Autos einsteigen können, weil das für sie ein geschlossenes Objekt ist, auch wenn die Türe auf ist. Jedoch in dem Moment, wenn der Schwenksitz nach draußen kommt, nehmen sie ihn wahr und dadurch lassen sie sich problemlos drauf setzen“, berichtet Späker.

Kraftsparendes Umsetzen

„Personenlifter sind generell gut geeignet für Menschen, die selbst nicht mehr viel Muskulatur haben“, so der KADOMO-Mann. „Damit können ihre Angehörigen sie ohne Kraftaufwand und rückenschonend ins Auto setzen. Der Personenlifter hatte in den letzten zwölf Monaten ein kleines Revival. Vor vielen Jahren gab es den schon mal, er war jedoch extrem aufwändig und teuer. Mittlerweile gibt es eine Variante, die elegant und gut einzubauen ist. Und seitdem haben wir eine hohe Anzahl an Fahrzeugen mit dem System ausgestattet und die Kunden sind überaus zufrieden.

Personenlifte werden im Beifahrerbereich eingebaut (Milford Personenlift) – es gibt sie aber auch als Vorrichtung, welche an die Dachträgerhaltung des PKWs montiert wird (Top Slider).

Ein Rollstuhlfahrer wird mittels eines Personenlifters in den PKW umgesetzt (Foto: KADOMO)
Mit dem Personenlifter lässt sich ohne viel Kraftaufwand ein mobilitätseingeschränkter Beifahrer umsetzen (Foto: KADOMO)

Eine weitere Alternative ist der Carony Evo, auch wenn diese nicht als typische Einstiegshilfe einzuordnen ist. Denn beim Carony Evo ist der Fahrsitz gleichzeitig Teil eines Rollstuhls. Die untere Hälfte wird nach dem Andocken an die Drehkonsole im Fahrzeug und nachdem der Fahrsitz in den PKW hinüber geschoben wurde, in den Kofferraum verstaut.

Rund ein Drittel wird selbst finanziert

„Eine normale Umsetzhilfe inklusive Einbau kostet unter 1.000 Euro, bei einer Schwenksitzlösung werden es rund 3.000 Euro. Die anderen Lösungen können abhängig vom Einzelfall bis zu 8.000 Euro kosten“, zählt der Mobilitätsexperte auf.

Rund 60 Prozent der von KADOMO verkauften Einstiegshilfen werden von Kostenträgern wie der Rentenversicherung oder das Integrationsamt übernommen. Mehr zum Thema Finanzierung von Autoumbauten finden Sie in den beiden Artikeln: Kfz-Hilfe und Autofinanzierung ohne Beruf.

Haben Sie keinen Kostenträger, bietet KADOMO – soweit verfügbar – Gebrauchtsysteme preisreduziert an. „Wir wissen, dass beispielsweise Rentner mit Handicap keinerlei beziehungsweise nur im Einzelfall einen rechtlichen Finanzierungsanspruch haben und versuchen deshalb, im Rahmen unserer Möglichkeiten soziale Verantwortung zu übernehmen“, sagt Späker.


Text: Thomas Mitterhuber – 07/2011

Fotos: KADOMO

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