Soll die Behinderung erwähnt werden?

Puzzle. (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)
Taktieren ja, verbiegen nein! (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)

Die entscheidende Frage: Soll oder muss ich meine Behinderung im Bewerbungsprozess erwähnen? Bessert die Erwähnung die Chancen oder bringt das eher Nachteile?

Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich 20 oder mehr Arbeitsplätzen sind zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen verpflichtet. Tun sie dies nicht, so sind sie zur Zahlung einer Ausgleichsabgabe für nicht besetzte Schwerbehindertenpflichtplätze verpflichtet (Sozialgesetzbuch SGB IX). Viele Unternehmen bevorzugen die Zahlung der Ausgleichsabgabe, anstatt schwerbehinderte Arbeitnehmer zu beschäftigen.

Dank meiner Tätigkeiten in der Pfennigparade konnte ich bereits mit vielen Unternehmern über deren Einstellung zur Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer sprechen. Die Ansichten waren stets äußerst vielfältig und es ist unmöglich, hier einen generellen Standpunkt zur Erwähnung der Behinderung in der Bewerbung zu finden.

Vorurteile - ein mögliches Hindernis

Gründe gegen eine Beschäftigung können zum Beispiel sein: Vorurteile, zum Beispiel, ein behinderter Mensch sei nicht leistungsfähig oder öfter krank. Oder die Angst vor dem besonderen Kündigungsschutz der schwerbehinderten Menschen.

Aber auch:

Es hat sich einfach noch kein schwerbehinderter Mensch beworben, der auf die ausgeschriebenen Stellen passt. Nun wissen Sie natürlich nicht, wie das Unternehmen zur Einstellung schwerbehinderter Arbeitnehmer steht, wenn Sie Ihre Bewerbung schreiben.

Leider ist es auch fast unmöglich, dies im Vorfeld herauszufinden. Und somit kann die Frage „Soll die Behinderung erwähnt werden?“ auch leider nicht pauschal beantwortet werden.

Keine Pauschallösung

Generell wird die Einschätzung vertreten, dass Sie Ihre Chancen verschlechtern, wenn Sie Ihre Behinderung bereits im Anschreiben angeben. Eine sichtbare Behinderung sollten Sie jedoch spätestens im persönlichen Gespräch offen ansprechen.

Verpflichtet zur Offenlegung Ihrer Behinderung oder Schwerbehinderung sind Sie nicht.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Steht die Einschränkung in einem direkten Zusammenhang zu der Fähigkeit, den geforderten Job pflichtgemäß auszuüben, ist die Frage berechtigt oder ein Hinweis Ihrerseits notwendig. Die Richtlinien hierzu sind im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) festgeschrieben.

Folgen Sie Ihrem Gefühl!

Es bleibt also Ihnen überlassen, ob Sie Ihre Behinderung erwähnen wollen. Stellen Sie jedoch nicht Ihre Behinderung in den Mittelpunkt Ihrer Bewerbung oder des Vorstellungsgespräches.

Den Arbeitgeber interessiert schließlich als erstes, ob Sie die geforderten Qualifikationen haben, um den Job erledigen zu können. Das Wichtigste sind also Ihre Fähigkeiten.

Wenn Sie die Behinderung im Vorstellungsgespräch erwähnen, so tun Sie dies im Laufe des Gesprächs, nicht ganz am Anfang oder ganz am Ende.

Wenn Sie Ihre Behinderung im Anschreiben erwähnen möchten, so geben Sie auch gleich eventuelle Einschränkungen mit an und auch, wie Sie diese z. B. technisch ausgleichen können.

Sie können Ihre Behinderung auch verschweigen und sich als „nicht behinderter Arbeitnehmer“ einstellen lassen. Bitte überlegen Sie sich dann aber vorher, ob es Ihnen möglich ist, Ihre Behinderung praktisch täglich in Ihrem Arbeitsleben zu verstecken und ob es Ihnen dies überhaupt wert ist.

Stellen Sie sich diese Frage spätestens, wenn Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten.

 

Text: Tanja Lachmayr

Bild: pixelio.de