Zusammen für die gleichen Ziele

- Karina Chupina und Dennis Hoogeveen besiegeln ihre zukünftige Zusammenarbeit (Foto: Joppe Boon)
Die beiden größten internationalen Organisationen für Jugendliche und junge Erwachsene mit Hörbehinderungen IFHOHYP (Internationaler Verein für junge Schwerhörige) und EUDY (Europäischer Verein für junge Gehörlose) arbeiten zusammen.
Bisher haben diese Organisationen alleine für die Belange und Akzeptanz von Jugendlichen mit einer Hörbehinderung gekämpft. Seit über einem halben Jahr arbeiten die Organisationen nun zusammen. Schwerpunkt der Zusammenarbeit sollte vor allem eine Verbesserung der Chancen sowie der Lebensqualität hörbehinderter Jugendlicher sein.
Konkret ist das unter anderem die Untertitelung aller Fernsehsendungen und Kinofilme, Zugang zu Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern und die Bereitstellung von technischen und visuellen Hilfsmittel wie Induktionsschlaufen und Beamer für öffentliche und halböffentliche Anlässe. Auch in Frage käme die gemeinsame Ausführung der so genannten Study Sessions, die IFHOHYP anbietet sowie andere Workshops und Treffen. Bei diesen Study Sessions arbeiten die hörbehinderten Jugendlichen in Kooperation mit dem Europäischen Rat für sie relevante Themen aus und entwickeln Partnerschaften mit anderen Organisationen.
"Je größer die Organisation, desto mehr können wir bewirken!“, erklärt Noora Penttinen, ehemalige Sekretärin von IFHOHYP, die Notwendigkeit dieser Kooperation. Am nächsten IFHOHYP-Jahrestreffen, an Ostern 2011 in Serbien, wird die Zusammenarbeit erstmals rekapituliert und über weitere Vorgehensweisen abgestimmt.

- EUDY setzt sich für die Belange gehörloser Jugendlicher ein (Foto: EUDY)
Zwei Organisationen – zwei Sprachen
Die IFHOHYP (International Federation of Hard of Hearing Young People) ist eine internationale regierungsunabhängige Organisation für nationale und regionale Jugendorganisationen, die schwerhörigen Jugendlichen in der ganzen Welt gewidmet sind.
Priorität der Organisation ist die Verbesserung der Lebensqualität von schwerhörigen Jugendlichen weltweit und die Gleichstellung von schwerhörigen jungen Erwachsenen von 18-35 Jahren in der Gesellschaft.
Neben dieser Kernaufgabe fördert die Organisation auch den weltweiten Austausch von jungen Erwachsenen mit einer Hörbehinderung. Die IFHOFYP ist bisher die einzige Jugendorganisation für Jugendliche mit Behinderung, die mit dem Europarat zusammenarbeitet. Die Schweiz ist durch die Organisation Jugehörig vertreten und Deutschland durch die Bundesjugend (BuJu).
Die EUDY (European Union of the Deaf Youth) ist eine Dachorganisation für Verbände für gehörlose Jugendliche in Europa und ebenfalls regierungsunabhängig. Neben Gleichstellung und internationalem Austausch hat die EUDY zum Ziel, die Anerkennung der Gebärdensprache zu fördern und den gehörlosen Menschen die gleichen Rechte wie Hörenden zu ermöglichen. Gebärdensprache und Gehörlosenkulturen sollen uneingeschränkt als Teil der Europäischen Kultur angenommen werden.
Bilingualismus als Lösung
Dass die beiden Organisationen lange getrennt gearbeitet haben, lag an der Verständigung. Die Hauptkommunikationssprache der IFHOFYP ist die (englische) Lautsprache, während bei der EUDY in Gebärdensprache kommuniziert wird. Da Barrierefreiheit bei beiden Organisationen grossgeschrieben wird, ist diese sprachliche Grenze verwischt und nicht länger Grund für eine Abspaltung.

- IFHOHYP arbeitet auch mit dem Europarat zusammen (Foto: IFHOHYP)
„Gehörlose und Schwerhörige haben oft falsche Vorstellungen von einander. Durch Hörimplantate wie das Cochlea-Implantat verwischt jedoch die Grenze immer mehr“, erklärt Karina Chupina die Annäherung der beiden Organisationen. Dieses Thema wird in gehörlosen und schwerhörigen Kreisen immer noch kontrovers diskutiert.
Eine Vereinfachung der Situation kann das Angebot und die Anwendung beider Sprachen sein. Vor allem in skandinavischen Ländern wir dies bereits so gehandhabt. In Schweden wird Bilingualismus großgeschrieben. „Gebärdensprache ist wichtig, auch für Schwerhörige“, sagt auch Hoogeveen.
„Zweisprachigkeit ist eine Praxis, die wir beide anwenden können“, stimmt Karina Chupina zu.
Die Präsidentin blickt mit großer Zuversicht auf die zukünftige Zusammenarbeit: „Dank der Erfahrung und Ressourcen unserer beiden Organisationen werden wir unsere gemeinsamen Ziele verwirklichen können.“ Auch bei der EUDY war man sich nach dem Treffen sicher: „Der zukünftige Kontakt und die Zusammenarbeit wird herzlich sein.“
Bleibt abzuwarten, was die erste Bilanz zeigt. Am nächsten Jahrestreffen um Ostern 2011 in Serbien soll eine erste Positionierung stattfinden und über weitere gemeinsame Pläne abgestimmt werden.
Text: MPL - 01/2011
Bilder: EUDY, IFHOHYP, Joppe Boon
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