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Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute

Grafik Herzschlag
Herzinfarkt ist nach wie vor eine der Haupttodesursachen in den Industrienationen (Gerd Altmann/pixelio.de)

Dank verbesserter Diagnostik und Therapien ist es in den letzten Jahren gelungen, die Zahl der Herzinfarkt-Todesopfer zu senken. Dennoch ist der Herzinfarkt nach wie vor eine der Haupttodesursachen in den Industrienationen. Im Notfall zählt jede Minute.

Das Herz ist der eigentliche Motor des Menschen. Es pumpt mit rhythmischen Kontraktionen das Blut durch den Körper und sichert so die Durchblutung aller Organe. Im Volksmund wird deshalb vom Herzen gerne auch als „Pumpe“ gesprochen. Pumpen ist denn auch die Hauptaufgabe des Herzens. Kann es diese Aufgabe wegen eines Herzinfarkts nicht oder nur mehr eingeschränkt wahrnehmen, wird es für die betroffene Person lebensgefährlich.

Der Herzinfarkt ist meistens die Folge einer Veränderung der Herzkranzgefässe (Atherosklerose), bei welcher die Gefässe durch fett- und kalkhaltige Ablagerungen (Plaques) verengt werden.

Blutgerinnsel verstopft Blutgefäß

Die Hauptursache des Herzinfarkts ist die Ruptur einer dieser Plaques innerhalb einer großen Koronararterie. Dies kann zu einem Blutgerinnsel führen, das wiederum ein lebensnotwendiges Blutgefäß verstopft und damit den Blutfluss zum Herzmuskel unterbricht.

Der von der Arterie versorgte Teil des Herzmuskels erhält kein Blut und damit auch keinen Sauerstoff mehr und stirbt ab. Die Folge ist eine Beeinträchtigung der Pumpfunktion des Herzens und die Gefahr eines tödlichen Herz-Kreislauf-Stillstandes.

Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen

Die Hauptursache des Herzinfarkts ist die Koronare Herzerkrankung. Dabei kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel kranzförmig umgeben und ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. In seltenen Fällen kann auch eine Entzündung der Herzkranzgefäße zu einem Herzinfarkt führen oder aber ein angeschwemmtes Blutgerinnsel (Embolie).

Mann misst Bauchfettgehalt
Fettleibigkeit ist einer der Haupt-Risikofaktoren für einen Herzinfarkt (Dieter Schütz/pixelio.de)

Zahlreiche Herzinfarkt-Symptome

Die Symptome, die bei einem Herzinfarkt auftreten, sind sehr vielseitig. Typscherweise treten über eine Dauer von mehr als 15 Minuten ein heftiger Druck und klemmende, beengende oder brennende Schmerzen in der Brust auf.

Die Schmerzen können in den Halsbereich, die Arme, die Schultern oder in den oberen Bauchbereich ausstrahlen. Die Schmerzen lösen oft Angst aus und nehmen bei Belastungen noch zu.

Vielfach wird der Infarktschmerz von Schweißausbrüchen, Übelkeit oder Erbrechen, Atemnot, unregelmäßigem Puls und fahler Gesichtsfarbe begleitet.

Keine reine Männerkrankheit

Bei Frauen, Diabetikern und älteren Patienten können Luftnot, unerklärliche Übelkeit und Erbrechen, Druck in Brust, Rücken oder Bauch auch als alleinige Warnsignale auftreten. Eine weitere Besonderheit betrifft bei Frauen die Symptome im Brustbereich. Statt starker Schmerzen handelt es sich dabei im Vergleich zu Männern deutlich häufiger um ein Druck- oder Engegefühl.

Warnsignale ernst nehmen

Ein Herzinfarkt kann in eher seltenen Fällen wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ auftreten. Die oben genannten Symptome deuten aber oftmals auch bereits Wochen oder Monate zuvor als Warnsignale auf eine Herzerkrankung hin. Wer sie ernst nimmt, und rechtzeitig einen Arzt aufsucht, kann einem Herzinfarkt möglicherweise zuvorkommen.

Zahlreiche Risikofaktoren

Dies gilt auch für Personen, die sich regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen, bei denen Risikofaktoren für eine Koronare Herzerkrankung festgestellt werden können. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • Ungesunde Ernährung und in der Folge Übergewicht oder erhöhte Cholesterinwerte
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen/Nikotin
  • Alkoholmissbrauch
  • Hoher Blutdruck
  • Diabetes
  • Stress
  • Familiäre Veranlagung

Mit einer gesunden Ernährung, ausreichend Bewegung, einem moderaten Alkoholgenuss und einem Rauchstopp kann einer Verkalkung der Arterien und somit einem Herzinfarkt vorgebeugt werden. Ein befriedigender Ausgleich zum Stress im Alltag ist wichtig. Grunderkrankungen wie Diabetes, hoher Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte müssen ärztlich behandelt werden.

Rettungswagen
Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute (Thorsten Freyer/pixelio.de)

Schnell erkennen – schnell behandeln

Für Herzinfarkt-Patienten sind die ersten Minuten und Stunden eines Herzinfarkts von entscheidender Bedeutung. Kommt es zum Verschluss eines Kranzgefäßes, kann der Infarkt verhindert oder zumindest in seiner Größe und seiner Auswirkung beschränkt werden, wenn das Gefäß schnellstmöglich wieder eröffnet wird.

Die Überlebenschancen sind größer und bleibende Schäden am Herzen kleiner, je schneller die medizinische Notfallbehandlung einsetzt. Für Betroffene und deren Angehörige empfiehlt deshalb die Deutsche Herzstiftung:

  1. Nicht warten - sofort den Rettungsdienst rufen.
  2. Rettungswagen alarmieren und Verdacht auf Herzinfarkt äußern. Keine Zeit mit Anrufen beim Hausarzt, bei Verwandten oder Nachbarn verlieren.
  3. Die 112 oder die örtliche Notrufnummer anrufen, sofort den Verdacht nach Herzinfarkt äußern, dann wird umgehend ein Rettungswagen geschickt. Dieser ist mit einem Defibrillator ausgestattet. Name, Adresse und Telefonnummer für Rückfragen hinterlassen.
  4. Beim Notruf nicht vorzeitig auflegen, das Gespräch beendet die Leitstelle nach der Beantwortung allfälliger Rückfragen.
  5. Ärztlicher Notfall- oder Bereitschaftsdienst ist kein Rettungsdienst. Direkt die 112 wählen.
  6. Nicht mit dem Auto in die Klinik. Menschen mit einem Herzinfarkt lassen sich immer wieder von Freunden, Bekannten oder Verwandten ins Krankenhaus fahren. Mancher Betroffene setzt sich sogar selbst ans Steuer. Das sollte man auf keinen Fall tun! Tritt das lebensbedrohliche Kammerflimmern auf, kann nur der Defibrillator helfen, mit dem jeder Rettungswagen ausgestattet ist.

Lesen Sie im Februar im 2. Teil unserer Herzinfarkt-Serie über die medizinische Erstversorgung, die kurz- und langfristige Therapie, wie wichtig die Prävention ist, und wie sich das Leben für Betroffene nach einem Herzinfarkt verändert.


Text: Patrick Gunti – 01/2012

Fotos: pixelio.de


zu Teil 2 unseres Herzinfarkt Dossiers
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