Das stille Örtchen – Ein Klo für Menschen mit Handicaps
Wir kennen das: Plötzlich wird es dringend und man sucht die nächste Toilette. Dabei scheint diese immer viel zu weit weg zu sein. Wer zudem im Rollstuhl sitzt, ist nicht nur auf die einwandfreie Funktion von Behindertentoiletten angewiesen, sondern muss schon vorher wissen, wo er diese findet. MyAdress hilft jetzt auch hier.
Wie wichtig eine vollumfänglich barrierefreie Toilette ist, zeigt das Beispiel von Userin Fluse aus der MyHandicap-Community. Als sie vor einiger Zeit in der Hamburger Universität die Behindertentoilette benutzen wollte, stieß sie auf mehrere Hindernisse. Zuerst einmal war das Klo abgeschlossen und es musste der Schlüssel organisiert werden.
Mehr Abstellkammer als Klo
Dazu kam, dass der elektrische Türöffner nicht funktionierte. So musste ihr eine Bekannte helfen, welche zufälligerweise in der Nähe war. Der Anblick hinter der Türe erinnerte dann auch eher an eine Abstellkammer als an eine Toilette.
Als das Geschäft dann erledigt war, sperrte sich der Türöffner immer noch und die Bekannte war in der Zwischenzeit wieder gegangen. Mit allen Mitteln versuchte Fluse die Türe selber zu öffnen, allerdings ohne Erfolg. Zum Glück kam später eine Freundin vorbei und half ihr aus der Behindertentoilette raus. „Es ist ein blödes Gefühl, wenn man etwas selbständig machen will und die notwendigen Handgriffe nicht möglich sind, weil die Technik abgeschaltet ist“, kommentiert Fluse ihre Geschichte.
Selbstbestimmung auch hier
Anhand der Geschichte ist zu sehen, dass leider die Wichtigkeit der Behindertentoiletten unterschätzt wird. Noch immer gibt es Toiletten, welche nicht vollumfänglich barrierefrei sind, in schlechtem Zustand sind oder sogar als Besenkammer missbraucht werden. Für Menschen im Rollstuhl ist es aber sehr wichtig, in diesem intimen Bereich selbstbestimmt zu sein.
Verzeichnis der Standorte
Nun stellt sich ja auch immer die Frage, wo die nächste Behindertentoilette überhaupt ist. Bis anhin musste man immer umherfragen und umhertelefonieren. Nun wird das ganze viel einfacher, da auf MyAdress auch die Behindertentoiletten verzeichnet sind. So können Sie bequem im Voraus nach den Standorten der Toiletten in den gewünschten Orten suchen. So wird der Besuch des stillen Örtchens etwas leichter gemacht.
Der eigene Schlüssel
Hilfreich ist auch das Eurokey System. Mit diesem speziellen Schlüssel haben Menschen mit Handicap in ganz Europa Zugang zu behindertenspezifischen Anlagen. Dazu gehören neben Schranken, Rufanlagen oder Liftanlagen vor allem Toiletten. So sind die Anlagen vor Vandalismus, Verunreinigungen oder Zweckentfremdung geschützt. Wer Anrecht auf den Schlüssel hat und wo er bezogen werden kann, steht im Eurokey-Artikel.
Haben Sie auch witzige oder gar schreckliche Erlebnisse mit einer Behindertentoilette gemacht? Dann erzählen Sie sie uns. Unter redaktion(at)myhandicap.de finden Sie unser offenes Ohr.
Text: hia 1/2010
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O2 World Berlin
Behindertentoiletten reichlich vorhanden, aber mit anstehen, denn Nichtbehinderte können die Toiletten ungehindert benutzen. EuroSchlüssel fehlanzeige!
Es war eine Behindertenumkleidekabine mit Dusche und Toilette, die ich in einem Düsseldorfer Freibad benutzen wollte. Als ich die Türe auf schloß, war sie bis zum Eingang mit Putzutensilien gefüllt. Ich fuhr zur Männerseite, doch auch dort war eine Benutzung der Behindertenumkleidekabine nicht möglich. Also rollte ich zurück zu Kasse und fragte: "Wo kann ich mich denn umziehen?". Die Kassiererin schaute mich ratlos an und sagte etwas barsch: "Bisher hat das noch nie ein Rollifahrer gefragt!". Ich antwortete:"Ich brauche einen geeigneten Platz zum umziehen, anders geht es nicht." Man wunderte sich zwar das ich zum Umziehen eine Kabine benötige und andere Rollifahrer nicht, trotzdem bekam ich den Hinweis zur Kabine zurück zu gehen, es käme gleich jemand der hilft.
Meine Freundin und ich warteten schon zwanzig Minuten., als ich noch einmal zur Kasse rollte um zu fragen ob man mich vergessen hätte. Nein, hatte man nicht. "Das geht nicht schneller". Sagte die Kassiererin genervt. Ich rollte zu meiner Freundin zurück. Nach weiteren zehn Minuten warten fingen meine Freundin und ich an und die Umkleidekabine selber aus zu räumen. Genau in diesem Moment kam die Kassierein angerannt und schimpfte, "das dürfen sie nicht". Na toll, dachte ich mir, und sie dürfen diese Kabine nicht zweckentfremden. Ich mußte mich sehr beherrschen nicht die Geduld zu verlieren.
Als ich endlich den Zugang zur Kabine bekam, mußte ich fest stellen das sich die Türe von innen nicht verriegeln ließ, der Duschklappsitz nicht unter der Dusche angebracht war, es nur für die Toilette Wasser gab und die Euromünzen nicht in die D-Mark Schlitze der Spinte paßte.
Ich reklamierte diese Zustände bei der Bädergesellschaft und bekam sechs Wochen später einen Anruf: "Sie können jetzt wieder schwimmen kommen. Wir haben beide Behindertenumkleidekabinen renoviert, neues Equipment angeschafft und die Türe hat ein Euroschloß bekommen ". So eine promte Reaktion auf eine Beschwerde bekam ich noch nie. Echt lobenswert! :-))
"Mehr Abstellkammer als Klo" trifft für www.spielzeugmuseum-ilmenau.de zu und für www.latino-hellersdorf.de