Bedeutung von Barrierefreiheit

Ein Rollstuhlfahrer steht vor einer Treppe und kommt nicht weiter (Schwarz-Weiß-Bild) (Bild: istockphoto)
Was genau bedeutet eigentlich Barrierefreiheit? (Bild: istockphoto)

Barrierefreiheit berücksichtigt alle Ausprägungen von menschlichen Fähigkeiten. Barrierefreiheit beschränkt sich nicht auf ausgewählte Personengruppen, sondern schließt auch Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen mit ein.

Mit dem Ausdruck „barrierefrei“ wird die uneingeschränkte Zugänglichkeit eines Produktes, einer Dienstleistung oder einer Einrichtung, unabhängig von einer möglichen Behinderung oder Erkrankung, beschrieben. Gleichbedeutend stehen der mittlerweile veraltete Ausdruck „behindertengerecht“ sowie der englischsprachige Begriff „accessibility“.

Das Label „Barrierefreiheit“ etablierte sich mit der wachsenden Behindertenbewegung, die Ende des letzten Jahrhunderts begann. Angesichts der demografischen Entwicklung wird dieses Thema weiterhin Bestand haben, wenn nicht sogar an Bedeutung in unserer Gesellschaft gewinnen.

Barrierefreie Gegenstände

Produkte sollten im Sinne des Universal Design so entworfen und konstruiert sein, dass diese für jeden Nutzer ohne zusätzliche Anpassungen oder Erweiterungen verwendbar sind. Ein simples Beispiel ist der Dosenöffner. Waren ältere Modelle nur von Rechtshändern bedienbar, gibt es heute welche, die auch mit der linken Hand und auch von Menschen mit einem schwachen Handgriff bedient werden können. Wasserhähne, die mittels eines Sensors auf Bewegungen reagieren und so von jedem genutzt werden können, entstammen ebenfalls dem Prinzip des Universal Design.

Barrierefreie Gebäude

Ein Architekt, der ein barrierefreies Gebäude bauen möchte, muss die Räume und Zugänglichkeiten so planen, dass alle Menschen unabhängig von ihren Einschränkungen diese ohne fremde Hilfe betreten und verlassen sowie sich darin frei bewegen können. Typische Merkmale für ein barrierefreies Gebäude sind Eingangsrampen, Aufzüge sowie großzügig geschnittene und gut beleuchtete Räumlichkeiten.

Die barrierefreie Planung von öffentlichen Gebäuden wird hierzulande in der DIN-Norm 18040-1 festgelegt, die DIN 18040-2 regelt die behindertengerechte Gestaltung von privatem Wohnraum.

Ein metallenes Stadtbild mit erfühlbaren Erhebungen und Brailleschrift auf den Häuserdächern
Sehbehinderte Menschen lesen und erkennen dank ihrer ausgeprägten Wahrnehmung über die Haut. (Bild: Dieter Schütz/pixelio.de)

Barrierefreier Verkehr

Unter barrierefreiem Verkehr versteht man einerseits die Umrüstung beziehungsweise Anpassung von Privatfahrzeugen an die Bedürfnisse des behinderten Fahrzeugführers (oder des Fahrzeughalters, sofern dieser nicht in der Lage ist, das Fahrzeug selbst zu führen). Darunter wird andererseits auch die Ausrichtung der Infrastruktur sowie öffentlicher Verkehrsmittel an ebenjene Zielgruppe verstanden.

Beispiele hierfür sind mit dem Blindenstock erfassbare Bodenmarkierungen, niedrigschwellige Zugänge beziehungsweise Bordsteine, und audiovisuelle sowie taktil erfassbare Informationen an Stationen und Straßenübergängen. Konkrete Planungsgrundlagen gibt für diesen Bereich die DIN 18040-3 v

Barrierefreie Dienstleistungen

Im Dienstleistungssektor hat sich ein wachsender Teil der Anbieter auf die Bedürfnisse behinderter Menschen eingestellt. Als typisches Beispiel ist die Reisebranche zu nennen, die auf diese Zielgruppe zugeschnittene Urlaube anbietet – inklusive Transfer, Pflege und Rahmenprogramm. Barrierefreiheit findet sich aber auch bei anderen Dienstleistungsanbietern wie Banken, die ihre tiefer gelegten Geldautomaten mit Braille-Tasten und Sprachausgabe ausstatten, oder Kinos, welche untertitelte Filme ins Angebot aufnehmen.

Barrierefreies Internet

Auch wenn das Internet ein Medium an sich ist, ist die so genannte Web Accessibility aufgrund seiner Komplexität eine technische Herausforderung. Unter einem barrierefreien Internet versteht man die Gestaltung von Internetseiten und -angeboten in einer Art und Weise, die dem User die vollständige Nutzung unabhängig von seinen Einschränkungen ermöglicht.

Texte in leichter Sprache, Gebärdensprachvideos und klar strukturierte sowie farblich optimal abgestimmte Webseiten stellen hier einen Teil der Möglichkeiten dar. In Deutschland ist hierbei die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung 2.0 (kurz BITV) vorgegeben.

Ziel: Barrierefreiheit – Umsetzung ist manchmal schwierig

Barrierefreiheit ist allerdings nicht in allen Lebensbereichen praktizierbar. Entweder stehen dabei technische oder finanzielle Hürden im Weg oder es schließen sich unterschiedliche Bedürfnisse gegeneinander aus, so dass universelle Lösungen nicht umsetzbar sind. Ist jedoch etwas annähernd barrierefrei, spricht man auch von Barrierearmut.

Text: Thomas Mitterhuber, Simon Müller - 07/2012
Fotos: pixelio.de, istockphoto