Amputation und Prothese

Begriffsbestimmung: Die Amputation ist der Verlust eines Körperteils

Eine Amputation bedeutet die Abtrennung eines Körperteils oder eines Organs und führt in der Regel zur Schwerbehinderung - selbst mit Prothesen. Die Amputation ist die Folge von drei möglichen Ursachen:

  • chirurgischer Eingriff: Weil der betroffene Körperteil nicht erhalten oder wiederhergestellt werden kann, muss er entfernt werden, da sonst aufgrund des absterbenden Gewebes das Leben des Patienten in Gefahr wäre.
  • Trauma: Die Amputation ist die Folge eines Unfalls.
  • Bestrafung: In einigen Ländern wird die Amputation als Vergeltungsmaßnahme für eine Straftat praktiziert.
Betroffener mit einer kompletten Beinprothese des rechten Beines auf einem OP-Tisch
Eine Amputation ist ein einschneidendes Ereignis für den Betroffenen. (Dieter Schütz/pixelio.de)

Weil hierzulande ein Amputationsregister fehlt, gibt es nur Schätzungen zu den Betroffenenzahlen. Allein an den unteren Extremitäten werden jährlich rund 40.000 bis 60.000 Menschen amputiert. Amputationen an den oberen Extremitäten oder anderer Körperteile sind dagegen seltener (etwa 10.000 im Jahr).

Ursache: arterielle Durchblutungsstörung häufigster Grund

Mehr als 80 Prozent der Beinamputationen haben eine arterielle Durchblutungsstörung als Ursache, die wiederum oft von Diabetes, aber auch von Nikotin ausgelöst wird. Im Gegensatz dazu sind Arm-, Hand- oder Fingeramputationen meistens die Folge eines Unfalls. Weitere Gründe, die zu einer Amputation führen können, sind Tumore, Infektionen oder genetisch bedingte Fehlbildungen.

Therapie: Ist die Prothese da, beginnt die Physiotherapie

Nach dem Eingriff steht zunächst die medizinische Rehabilitation - die Verbesserung des grundlegenden Gesundheitszustandes des Patienten - an erster Stelle. Anschließend beginnt die Physiotherapie, die stationär oder ambulant erfolgen kann. Hier erhält der Betroffene eine prothetische Versorgung, wodurch das entfernte Gewebe funktionell und kosmetisch bis zu einem gewissen Grad ersetzt werden kann.

Durch regelmäßiges Training lernt der Betroffene mit der Prothese umzugehen. Ein weiterer Aspekt in der Nachbehandlung ist die psychosoziale Begleitung des Betroffenen, um den Verlust der körperlichen Integrität zu verarbeiten und das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.

Glasaugen in Reih und Glied in der Produktion
Zu den Prothesen zählen neben künstlichen Hüften und Zahnimplantaten auch Glasaugen. (Ulrich Kamp/pixelio.de)

Eine Herausforderung: Die richtige Prothese

Prothesen können amputierte Körperteile zwar teilweise ersetzen, jedoch sind damit häufig auch Schwierigkeiten verbunden. Eine abnehmbare Prothese kann - vor allem in den unteren Extremitäten - zu Stumpfschmerzen führen, wenn diese nicht richtig oder der Stumpf über längere Zeit belastet wird.

Ein weiteres verbreitetes Problem bei Amputationen ist der so genannte Phantomschmerz. Betroffene verspüren einen Schmerz oder ein Jucken an der Stelle des nicht mehr vorhandenen Körperteils. Diese Beschwerden lassen sich mittels Medikamenten oder verschiedenen Therapien (Spiegeltherapie) teilweise lindern.

Schwerbehinderung: Eine Amputation kann das Leben einschränken

Weil eine Prothese den zu kompensierenden Körperteil nie gänzlich ersetzen wird, kann sich die Amputation je nach Körperteil und Amputationshöhe extrem auf das Leben des Betroffenen auswirken, so dass sie einer Schwerbehinderung gleichkommt.

Menschen mit einer Amputation können, sofern die Voraussetzungen erfüllt werden, einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Bei manchen Betroffenen ist zudem eine andere Erkrankung vorhanden, wie etwa Diabetes oder Krebs, wodurch sich die Chancen auf den Ausweis erhöhen.

 

Text: Thomas Mitterhuber - 07/2012

Fotos: pixelio.de