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Lähmung bedeutet nicht immer Bewegungsunfähigkeit

Ein Rollstuhlfahrer fährt über einen Kopfsteinpflasterweg
Lähmung unterscheidet sich auch nach dem Ausmaß. (Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de)

Begriffsbestimmung: Lähmung unterscheidet sich auch nach dem Ausmaß

Eine Lähmung ist der vollständige oder teilweise Funktionsverlust eines Körperteils oder Organsystems aufgrund der gestörten neuralen Reizweiterleitung im peripheren Nervensystem beziehungsweise in den betreffenden Regionen des Zentralnervensystems (ZNS). Die Heilung einer Lähmung ist nach heutigem Stand nur bedingt möglich, die Einschränkungen können jedoch in der Regel in der Therapie gelindert werden.

Eine bekannte Unterform dieser Erkrankung ist die spastische Lähmung, verbreitet sind auch die sogenannte Erbsche sowie die Schlaffe Lähmung. Je nach Schwere der Lähmung werden im Wesentlichen drei Formen unterschieden:

  • Plegie: vollständige Lähmung der Skelettmuskeln
  • Paralyse: vollständige Lähmung, die sowohl Muskeln als auch Blutgefäße einschließen kann
  • Parese: unvollständige Lähmung

Die Ausprägung einer motorischen, das heißt die Muskelkraft betreffende Lähmung wird festgestellt, indem man die Muskelgruppen gegen Widerstand prüft. Das Ergebnis lässt sich durch folgende Kraftgrade ausdrücken, die das British Medical Research Council (BMRC) 1978 festgelegt hat:

  • 0: fehlende Muskelkontraktion
  • 1: Muskelspannung ist gerade sichtbar
  • 2: Gliedmaßenabschnitt kann bei Ausschaltung der Schwerkraft bewegt werden
  • 3: aktive Bewegung gegen die Schwerkraft möglich
  • 4-: aktive Bewegung gegen leichten Widerstand möglich
  • 4: aktive Bewegung gegen mäßigen Widerstand möglich
  • 4+: aktive Bewegung gegen stärkeren Widerstand möglich. Jedoch ist der betroffene Gliedmaßenabschnitt schwächer als auf der Gegenseite.
  • 5: normale Kraft

Ursachen: Lähmung kann aus verschiedenen Gründen hervorgerufen werden

Die Ursachen für eine Lähmung sind sehr vielfältig. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Zentrale Lähmung: Die Ursache der Lähmung liegt im Gehirn. Mögliche Auslöser können sein Gehirnblutungen, Durchblutungsstörungen im Gehirn (z.B. durch Schlaganfall oder die Verengung von Blutgefäßen), Entzündungen im Bereich des Gehirns.

  • Periphäre Lähmung: Die Ursache für die Lähmung sind Schädigungen der Muskelfasern oder des Kontakts zu den Muskelzellen. Hierzu zählen Einquetschungen der Nerven (z.B. durch Unfall oder bei einem Bandscheibenvorfall), Einklemmung der Nerven durch Entzündungen von Knochen und Bändern, Entzündungen von Nerven oder des Rückenmarks, Tumore, Vergiftungen, Autoimmunerkrankungen.

  • Muskuläre Lähmung: Die Ursache für die Lähmung liegt in den Muskeln selbst. Grund für die Lähmung können der Abbau der Muskeln, eine angeborene Muskelschwäche oder Entzündungen der Muskeln sein.

Von der körperlich bedingten Lähmung ist die psychisch bedingte Lähmung zu unterscheiden. Obwohl keine Schädigungen an Nerven oder Muskeln vorliegen, verlieren Betroffene ihre Bewegungsfähigkeit ganz oder teilweise. Sie haben Koordinationsstörungen und sind nicht in der Lage, Bewegungen zu kontrollieren. Das kann sich auch auf das selbstständige Gehen und Stehen auswirken.

Behandlung und Therapie: Lähmungen sind nicht immer heilbar

Die Behandlung von Lähmungen ist insofern komplex, als sie sich je nach Ursache und Schwere der Beeinträchtigung unterscheidet. Um eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen, sollten Betroffene sofort zum Arzt gehen, wenn sie eine Bewegungseinschränkung feststellen. Häufig stehen diese nämlich mit einer schweren Erkrankung (beispielsweise einem Schlaganfall) in Zusammenhang.

Der Arzt wird Patienten gründlich untersuchen, um die Ursache der Funktionsstörung zu herauszufinden. Je nach Diagnose kann eine Lähmung durch Medikamente gelindert werden (beispielweise bei Muskelentzündungen) oder eine aufwändigere Behandlung erfordern (beispielweise im Falle von Tumoren als Auslöser der Lähmung). Ein bei spastischen Lähmungen oft eingesetztes Medikament ist Botox.

Sind Lähmungen neurologisch bedingt, so kann man sie nach dem heutigen Stand der Medizin nicht vollständig heilen. In diesem Fall ist die Zielsetzung, den Gesundheitszustand des Betroffenen durch Physiotherapie, Massagen, Bäder und ähnliche Maßnahmen so weit wie möglich zu stabilisieren und zu verbessern. Welche Kombination aus operativer, medikamentöser oder krankengymnastischen Behandlung möglich und sinnvoll ist, unterscheidet sich im Einzelfall deutlich. Daher ist es unbedingt notwendig, dass sich Betroffene an einen Facharzt werden, um mit ihm sämtliche Schritte der Behandlung detailliert zu besprechen.

Schwerbehinderung: Lähmung kann eine dauerhafte Einschränkung bedeuten

Für Menschen, die von einer Lähmung betroffen sind, kann das eine dauerhafte Einschränkung bedeuten, die erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn keine vollständige Heilung möglich ist. So müssen sich beispielsweise Menschen mit einer Querschnittslähmung neben der Rehabilitation auch darum kümmern, dass ihr persönliches Umfeld auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Hierzu zählt unter anderem die barrierefreie Ausstattung der Wohnung, die Umrüstung des Fahrzeugs sowie die Gestaltung der Freizeit, etwa in einer Sportgruppe für Menschen mit Handicap. Um sämtliche Hilfen in Anspruch nehmen zu können, sollten sich Betroffene einen Schwerbehindertenausweis ausstellen lassen und nicht davor zurückschrecken, Hilfe von anderen Betroffenen oder Fachexperten anzunehmen.

 

Text: Philipp Jauch - 07/2012

Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

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